Wie du mit den Morgenseiten deine Schreibroutine entwickeln kannst

Schreibroutine mit den Morgenseiten entwickeln

Was sind Morgenseiten (im Original Morning Pages)?

Um regelmäßig zu schreiben, braucht es kein Talent – aber Durchhaltevermögen. Damit du das erreichen und eine Schreibroutine entwickeln kannst, können dir die Morgenseiten helfen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Schreibritual, das von Julia Cameron in ihrem Buch „The Artist’s Way“ vorgestellt wurde. Die Regeln sind schnell erklärt: Schreibe jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen (oder noch im Bett) drei Seiten voll, ohne darüber nachzudenken.

Okay, das war wirklich knapp. Deshalb gehe ich in diesem Beitrag genauer auf meine eigenen Erfahrungen, die Vorteile und Ziele des Schreibrituals ein. So kannst du selbst entscheiden, ob du es ausprobieren willst, um regelmäßiger zu schreiben.

Wie mir die Morgenseiten beim Schreiben geholfen haben

Von der Journaling-Methode der Morgenseiten oder Morning Pages habe ich zum ersten Mal vor einigen Monaten in einem Schreib-Circle von Alexandra Polunin gehört. Nun wollte ich diese Methode endlich selbst ausprobieren und habe mir spontan ein Notizbuch und einen Stift gekauft. Obwohl es schon Nachmittag war, habe ich mich nach meinem Einkauf direkt in ein Café gesetzt und die ersten drei Seiten gefüllt. Ich wollte nicht bis zum nächsten Morgen abwarten 😊

Dieser spontane Start war genau das Richtige – meine ersten Morgen- oder besser gesagt Nachmittagseiten waren schnell geschrieben, denn ich habe einfach beschrieben, was im Café so los war. Da mir das sehr leichtfiel, konnte ich den nächsten Morgen kaum abwarten. Ich wollte am liebsten sofort weiterschreiben. Du siehst also: Die Morgenseiten kannst du auch mal zu einer anderen Tageszeit schreiben. Warum das aber eine Ausnahme bleiben sollte, erkläre ich dir noch.

So kannst du deine Schreibroutine entwickeln

Jetzt wird es konkret: Ich gebe dir meine liebsten Tipps, wie du die Journaling-Methode der Morgenseiten am besten nutzen kannst. Eins vorneweg: Es gibt bei den Morgenseiten kein Richtig oder Falsch und generell wenig Regeln. Finde also deine ganz eigene Routine.

  1. Schreib deine Morgenseiten als allererstes, bevor der Tag mit neuem Input auf dich einprasselt.
  2. Plane die Zeit für deine Morgenseiten ein – das bedeutet vermutlich, dass du deinen Wecker etwas früher stellen musst.
  3. Besorge dir ein schönes Notizbuch und nutze einen Stift, mit dem du gut schreiben kannst. (Mein Stift, den ich mir extra für die Morgenseiten gekauft habe, ist übrigens ganz schön kratzig! So hatte ich allerdings direkt ein Thema, über das ich schreiben konnte :D)
  4. Mach dich nicht verrückt, wenn du es an einem Tag mal nicht schaffst, deine Morgenseiten zu schreiben. Dann machst du eben morgen weiter.
  5. Lass deinen Perfektionismus gehen. Es ist völlig egal, worüber du schreibst und ob deine Morgenseiten irgendeinen Sinn ergeben.
  6. Lies deine morgendlichen Texte nicht durch – zumindest nicht sofort. Mit etwas zeitlichem Abstand kannst du dein Notizbuch noch einmal durchblättern, musst du aber nicht. Du darfst es auch ungelesen vernichten.
  7. Nimm keine Rücksicht auf Rechtschreibregeln oder Zeichensetzung – in deinen Morgenseiten gelten die Regeln nicht, auf die ich als Lektorin sonst so viel Wert lege 😊

Diese Vorteile bringt dir die regelmäßige Schreibübung

Wenn du regelmäßig mit dem Schreiben deiner Morgenseiten in den Tag startest, kannst du davon auf verschiedenen Ebenen profitieren. Die folgenden Vorteile konnte ich persönlich schon nach kurzer Zeit aus meinem neuen Schreibritual ziehen:

  1. Durch die Morgenseiten unterbreche ich mein Gedankenkarussell direkt am Morgen. Indem ich einmal alles loswerde, was sich über Nacht in meinem Geist angesammelt hat, vermeide ich es, mit einem negativen Gefühl in den Tag zu starten.
  2. Aus dem ersten Vorteil resultiert direkt Nummer 2: Durch die Morgenseiten starte ich mit einem freien, offenen Kopf in den Tag und bin bereit für alles, was mich erwartet.
  3. Mir persönlich haben die Morgenseiten dabei geholfen, ins regelmäßige Schreiben zu kommen. Indem ich gleich nach dem Aufstehen schreibe, überwinde ich mögliche Hemmungen, später am Tag etwas für mein Business zu schreiben. So schreibe ich mich schon mal warm 😊
  4. Während ich meine Morgenseiten schreibe, kommen mir oft gute Ideen – sowohl für mich persönlich als auch für mein Business. Diese Ideen notiere ich mir außerhalb meines Journals, sodass sie nicht vergessen gehen. In die Morgenseiten selbst schaue ich ja (erstmal) nicht wieder rein.

Was nicht das Ziel der Morgenseiten ist

Nachdem ich dir meine persönlichen Vorteile der Morgenseiten vorgestellt habe, will ich auch darauf eingehen, worum es bei den Morgenseiten nicht geht.

Als letzten Vorteil habe ich Ideen erwähnt, die mir während des Schreibens ab und zu kommen. Das ist zwar ein schöner Nebeneffekt, aber sollte nicht im Fokus stehen. Vielleicht hast du an manchen Tagen einen spannenden Einfall, vielleicht aber auch nicht.

Dein Ziel sollte es nicht sein, effizient zu werden und Texte am laufenden Band zu produzieren. Die Morgenseiten sind keine Produktivitätstechnik, um deine Effizienz zu steigern. Es geht darum, ins Schreiben zu kommen und dich von deinem Perfektionismus zu lösen.

Darüber hinaus sind die Morgenseiten nicht zur Reflexion gedacht – dafür eignet sich eher ein klassisches Tagebuch, das du am Abend ausfüllst. Bei diesem Schreibritual darfst du deine Gedanken ungefiltert und ohne Zusammenhang aufs Papier bringen.

Bei den Morgenseiten geht es zudem nicht darum, Texte für andere zu schreiben. Du schreibst diese Seiten nur für dich – und nicht einmal du selbst musst sie noch einmal lesen.

Falls du nun das Gefühl hast, dass die Morgenseiten nicht das Richtig für dich sind: Probiere es trotzdem aus oder lass es bleiben! Du solltest dich nicht dazu zwingen, um einem Trend zu folgen. Dieses Schreibritual ist nicht für jeden etwas, vielleicht liegen dir eher andere Routinen.

Kurzanleitung und Extratipp für deine Morgenseiten

Ich hoffe, dass ich dir mit meinem Artikel einen Eindruck von den Morgenseiten vermitteln konnte. Du kennst nun den Ablauf, die wichtigsten Vorteile, Ziele und auch Stolpersteine. Zum Abschluss findest du hier eine Kurzanleitung, sodass du direkt loslegen kannst:

  1. Besorg dir ein schönes Notizbuch und einen Stift, mit dem du gern schreibst.
  2. Lege beides am besten direkt auf deinem Nachttisch bereit.
  3. Plane dir jeden Morgen etwas zusätzliche Zeit ein.
  4. Greife nach dem Weckerklingeln direkt nach deiner Schreibausrüstung.
  5. Schreib los und schalte den Kopf aus! 😊

Zum Abschluss noch ein Tipp: Auch wenn dir die Morgenseiten nicht von Anfang an oder nicht jeden Tag Freude bereiten – versuche, dranzubleiben. Damit neue Routinen ihre Kraft entwickeln, braucht es Zeit. Ich empfehle dir, die Morgenseiten mindestens 30 Tage auszuprobieren, bevor du dir ein Urteil bildest.

Ich wünsche dir viel Freude mit deinem neuen Schreibritual! Falls du dir weitere Unterstützung beim Schreiben wünschst, lies dir gern meine anderen Blogbeiträge durch.

Hi, ich bin Thea!

Als selbstständige Lektorin helfe ich dir dabei, deine Texte zum Strahlen zu bringen. In meinem Blog findest du Beiträge rund um die Themen Lektorat, Schreiben und Selbstständigkeit.

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